Stillen - alles Gute aus der Milch

Stillen - wie oft? Ist Muttermilch besser als Brei? Was tun gegen wunde Brustwarzen? Gerade für junge Mütter birgt diese Lebensphase viele neue Fragen.

 

Verändert sich die Muttermilch?

Die Muttermilch bleibt während der gesamten Stillzeit nicht konstant sondern verändert sich in Inhaltstoffen und Konsistenz:

  • Kolostrum (Vormilch)
    Bildet sich bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche bis etwa 2 - 4 Tage nach der Geburt und besitzt einen besonders hohen Anteil an Immunglobulinen (Antikörper) und anderen immunstärkenden Nährstoffen, die das Baby gegen Infektionsgefahren wappnen. Die Kolostrum-Milch ist dickflüssiger und gelblich gefärbt. Außerdem enthält Sie viel Vitamin A und E sowie Eiweiß und wichtige Salze.
  • Transitorische Milch (Übergangsmilch)
    Diese Milch produzieren die Drüsen ab etwa dem 5. - 15. Tag nach der Geburt. Die Inhaltsstoffe ändern sich insofern, dass weniger Eiweiß enthalten ist, dafür aber umso mehr Kohlenhydrate und Fette. Zudem ist die transitorische Milch flüssiger in der Beschaffenheit.
  • Reife Frauenmilch
    Ab der 2. bis 3. Woche nach der Geburt weist die Muttermilch wieder eine Veränderung der Inhaltsstoffe auf. Hierbei haben die essentiellen Fettsäuren den Löwenanteil in der Milch. Jedoch reicht die vorhandene Menge an Eiweiß noch zur Genüge für die Bedürfnisse des Babys aus.

 

Unfruchtbar während der Stillzeit?

Jain. So lange Ihr Kind maximal alle vier Stunden nach der Brust verlangt (und diese bekommt) schüttet ihr Körper das Hormon Prolaktin aus, welches einen Eisprung unterdrückt. Sicher ist Stillen als Verhütung jedoch nicht – sobald Beigefüttert wird, die vier Stunden überschritten werden oder das Baby zusätzlich Wasser erhält, setzt der Prolaktinfluss aus. Und: ein solcher Eisprung ist erst im Nachhinein feststellbar. Am besten machen Sie sich schon vor der Geburt Gedanken um die Verhütung in der Stillzeit.

 

Wann soll man das neugeborene Baby erstmals Stillen?

Der beste Zeitpunkt um das erste Mal zu Stillen liegt bei etwa 30 Minuten nach der Entbindung. Der Saugreflex ist dann am größten. Durch das frühzeitige Stillen werden das Einschießen der Muttermilch und die Milchproduktion gefördert. Übrigens ist auch nach einem Kaiserschnitt ein frühzeitiges Anlegen kein Problem, da moderne Narkoseverfahren keine Gefahr für das Baby mit sich bringen. Auch in der Stillzeit macht eine Vitamin und Mineralstoffergänzung mit Nahrungsergänzungsmitteln weiterhin Sinn.

 

Wenn das Baby nicht trinken will ...

Die ersten Stillversuche können ein wenig beschwerlich sein. Das Mutter und Baby müssen sich außerhalb des Bauches erst einmal finden. Lassen Sie sich Zeit, schicken Sie Besucher weg. Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin können Ihnen hier hilfreiche Tipps geben.

 

Was hilft bei zu wenig Milch?

Zu wenig Milch kann in einer Unterversorgung der Mutter liegen. Der menschliche Körper reagiert empfindlich auf ein Ungleichgewicht des eigenen Vitamin- und Mineralstoffhaushalts. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie Nahrungsergänzungsmittel können dabei helfen, diesen auf einem gesunden Level zu halten oder Mängel auszugleichen. Zu wenig Milch kann aber auch andere Ursachen haben:

  • Nicht ausreichend häufiges Anlegen: mindestens alle zwei Stunden (mit nächtlicher Pause)
  • Saugt das Baby richtig? Ihr kleines sollte Bauch an Bauch mit Ihnen liegen und nicht überstrecken
  • Sobald Ihr Baby aufhört an einer Brust zu sagen – rüber zur anderen. Diesen Wechsel immer beibehalten
  • Brustmassagen zur Milchbildung
  • Körperkontakt zwischen Baby und Mutter stärkt den Saugreflex und die Milchbildung
  • Stress meiden

 

Wie oft darf man Stillen?

Ganz einfach: der Bedarf regelt die Nachfrage. Das kann zwischen acht und 12 mal am Tag sein, hilft aber, den Milchfluss zu regulieren. Muttermilch ist in 60 Minuten komplett verdaut. Ein Mindestabstand zwischen zwei Mahlzeiten ist nicht nötig. Wenn Ihr Kind ständig trinken will, kann es sich zum Beispiel in einer Wachstumsphase befinden.

 

Wie lange ist Stillen sinnvoll?

Die Erstlingsmilch (Kolostrum) ist reich an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen und hilft dem Immunsystem Ihres Nachwuchses ordentlich auf die Beine. Nach etwa 6 Monaten ist Muttermilch alleine nicht mehr ausreichend und zusätzliches Zufüttern wird nötig. Wie lange Mütter Ihre Kinder stillen, ist, neben der Verfügbarkeit von Milch, eine individuelle Entscheidung. In Sachen Nährwert ist ein Stillen ab dem zweiten Lebensjahr nicht mehr mit Vorteilen für das Kind verbunden.

 

Welche Stillposition ist die beste?

Es gibt zum Beispiel spezielle Sitzkissen in die man quasi das Baby reinlegen kann. Die Mutter liegt seitlich während des Stillens was für beide Parts sehr angenehm ist. Der Rückengriff wäre eine weitere Möglichkeit. Das Baby schaut dabei in Richtung der Mutter. Der gesamte Körper des Babys wird seitlich von der Mutter ausgelegt und ein großes Kissen unter den Säugling gelegt. Dieses sollte den ganzen Säugling unterlegen können. Die Mutter legt den Kopf des Säuglings auf Ihre Hand und der Unterarm hält den restlichen Körper. Die Mutter sollte im Sitzen die Beine anwinkeln und die Füße möglichst auf eine Fußbank oder einem Podest stellen. Die Rückengriff-Methode eignet sich auch am besten bei Zwillingen.
Im Falle, dass sich die Milch staut, egal ob es erst beginnt sich zu stauen oder schon vollständig verstaut ist, bringt Ihnen die "Vornübergebeugt"- Methode sicher Erleichterung. Durch die Haltung der Brust kann die Milch besser abfließen. Dazu liegt das Baby flach auf dem Rücken. Dabei kniet die Mutter (Vierfüßlerstand) verkehrt herum zum Baby. So, dass sich die Brust über dem Mund des Säuglings befindet. Sollte Ihr Baby unter Blähungen leiden, könnte es auch am Stillen liegen. Bei der Liegeposition soll allgemein weniger Luft beim Trinken verschluckt werden und somit weniger Blähungen entstehen. Das "Bäuerchen" ist dabei selbstverständlich das wichtigste. Das Baby wird auf die Schulter der Mutter gelegt und durch sanftes auf den Rücken klopfen sollte die Luft dann entweichen.

 

Was ist Rachitis und wie kann ich mein Kind schützen?

Rachitis tritt meist zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr auf und wird durch Zugabe von Vitamin D und Sonnenlicht therapiert. In Deutschland ist diese Krankheit äußerst selten, so bekommen Kinder im ersten Lebensjahr Vitamin D Präparate prophylaktisch verabreicht. Erste Anzeichen sind schlaffe Muskeln, verstärktes Schwitzen und Unruhe. Eine Behandlung ist erfolgsversprechend.

 

Was tun bei wunden Brustwarzen?

Wunde Brustwarzen sind unheimlich schmerzhaft. Durch das Antrocknen, Verkleben und dem erneutem Füttern reißen bestehende Risse erneut auf und müssen wieder "abheilen". Von irgendwelchen Cremes und Heilsalben wird abgeraten. Eher kann man Wollfett nehmen wie, Lansinoh oder Purelan um das austrocknen der wunden Stellen zu verhindern. Ein wirkliches "Wundermittel" gibt es leider noch nicht. Jedoch gibt es Tipps die diesen Prozess viel erträglicher machen können:

  • Nehmen sie die weniger schmerzende Seite immer zuerst zum Stillen.
  • Brustwarzen-Schoner können sehr hilfreich sein. Denn es bleibt den Rhagaden mehr Zeit um abzuheilen. Das Reiben der Kleidung an den Brustwarzen bleibt länger aus.
  • Nach dem Stillen sollten sie das Milch-Speichel-Gemisch nicht abwischen. Lassen sie es stattdessen nach Möglichkeit unbekleidet antrocknen.
  • Wolle-Seide-Stilleinlagen könnten auch eine Möglichkeit sein. Sie reiben nur sehr minimal an der Haut und schaffen daher Abhilfe. Sie sollten jedoch sobald sie Nass sind, gewechselt werden.